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Pressemitteilungen
Stuttgart, den 15.03.2006
Gemeinsame Pressemitteilung
LNV und NABU präsentieren Gegenrechnung
Oettingers Wunsch nach Laufzeitverlängerung führt aufs energiewirtschaftliche Abstellgleis!
Neue Studie nimmt Ministerpräsident beim Wort: Ausstieg ist im Zeitplan und zugleich klimaschonend möglich
Der Landesnaturschutzverband (LNV) und der Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Baden-Württemberg (NABU) zweifeln an der wirtschaftspolitischen Kompetenz der Landesregierung: Mit der geplanten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke (AK setze der Ministerpräsident nicht nur Mensch und Umwelt unnötig Gefahren aus, sondern verhindere im Land auch zusätzliche Wertschöpfung sowie die Entstehung zahlreicher Arbeitsplätze. Mit einer heute vorgestellten Studie weisen die beiden Naturschutzverbände nach, dass es mit entsprechendem politischem Willen möglich ist, die infolge der 2008 geplanten Abschaltung des AKW Neckarwestheim entfallende Energie ohne Schäden für das Klima zu ersetzen.
Es war der Ministerpräsident selbst, der am 17. Dezember 2005 beim Umwelt- und Naturschutztag im Staatsministerium den Naturschutzverbänden eine Steilvorlage geliefert hat: Er forderte von ihnen den Nachweis, dass man fristgerecht die Energiemenge des AKW Neckarwestheim I ersetzen kann - dann könne man mit ihm über den Verzicht einer Laufzeitverlängerung reden. Um diesen Nachweis zu führen, haben LNV und NABU den Energiewissenschaftler Dr. Joachim Nitsch eingeschaltet, der bereits mehrmals im Auftrag von Land und Bund als Gutachter tätig war. Der Physiker des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik hat nun anhand aktueller Daten und Fakten belegt, dass mit dem entsprechenden politischen Willen die nötigen Wattstunden bereit gestellt werden können.
Das Konzept von Dr. Nitsch basiert auf drei Säulen: Zum ersten soll mit Hilfe eines Maßnahmenbündels der Stromverbrauch in Haushalten, Verwaltung, Gewerbe und Industrie gesenkt und Energie effizienter genutzt werden. Hier sei das Potential noch lange nicht ausgereizt, so der Energieexperte. Säule zwei propagiert den Wechsel von reinen Elektrizitätskraftwerken hin zur Kraft-Wärme-Koppelung. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe würde so deutlich sinken. Die dritte Säule schließlich fordert einen deutlich stärkeren Ausbau von erneuerbaren Energien zur Strombereitstellung mit dem Schwerpunkt Biomasse, Wasserkraft und Windenergie.
Für den LNV-Vorsitzenden Reiner Ehret, der in Baden-Württemberg 34 Naturschutzvereine mit über 400.000 Mitgliedern vertritt, liest sich die Arbeit von Dr. Nitsch wie ein "Kompendium der Versäumnisse und Halbherzigkeiten der Landesregierung". Er hegt den Verdacht, dass die Landesregierung ihr Festhalten an der Atomenergie als unverrückbaren Fakt fest in ihre Zukunftsplanung eingebaut hat. Ehret weiter: "So fährt sie seit vielen Jahren ihre Politik zur Förderung der erneuerbaren Energien nur mit ‚angezogener Handbremse', weil eine Reduzierung der aus der Atomkraft entspringenden Gewinne vermieden werden soll." In den Augen von LNV und NABU wurde durch die Untätigkeit insbesondere des Wirtschaftsministeriums wertvolle Zeit versäumt, welche nun einen umso größeren Kraftakt nötig mache. "Der Atomausstieg ist für Deutschland und insbesondere für Baden-Württemberg eine geradezu historische Chance, die regenerativen Energien mit voller Kraft voranzubringen", sagt der NABU-Landesvorsitzende Dr. Stefan Rösler. "Wir haben jetzt die Möglichkeit, uns mit neuen Technologien im weltweiten Wettbewerb an die Spitze zu setzen und uns als echte Schrittmacher der Innovation zu positionieren. Aber dazu ist es notwendig, endlich die Risikotechnologie Atomkraft mit all ihren Folgelasten und milliardenschweren Folgekosten hinter uns zu lassen. Die Gewinner dieses wichtigen Schrittes werden Konjunktur und Arbeitsmarkt heißen, denn neben Mensch und Umwelt profitieren vor allem Handwerk, Mittelstand, Land- und Forstwirtschaft." Für LNV und NABU ist somit Oettingers Haltung zur Laufzeitverlängerung die Nagelprobe, ob ihm weitere EnBW-Rekordgewinne wichtiger sind als der sofortige Einstieg des Landes in eine souveräne und dezentralere Energieversorgung.
LNV und NABU fordern, dass sich die Landesregierung aktiv für die erneuerbaren Energien einsetzt und endlich von der Atomkraft Abschied nimmt. Die beiden Vorsitzenden Ehret und Rösler richten ihr Schlusswort direkt an Günther Oettinger: "Wir nehmen Sie beim Wort, das Sie der Öffentlichkeit am 17. Dezember gegeben haben! Wir erwarten von Ihnen eine sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung der hier präsentierten Studie von Dr. Nitsch."
Die LNV-Position zum Thema
Hintergrundinformation von Dr. Joachim Nitsch (Energiereferent des LNV)
Diese Pressemitteilung als PDF-Datei
Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.: 0711-24895520
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