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Pressemitteilungen
Stuttgart, den 31.03.2006
Landesnaturschutzverband kritisiert Stuttgarter Regierungspräsidium
Neue Verkehrsuntersuchung ist Teil einer rückwärtsgewandten Verkehrspolitik!
Mehr Straßen für immer weniger Menschen führen in den ökonomischen Kollaps
"Die öffentliche Hand hat offensichtlich Geld in Hülle und Fülle." Diesen Schluss zieht der Landesnaturschutzverband (LNV) aus der Tatsache, dass das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) nun für 150.000 Euro eine Untersuchung in Auftrag gibt, die genau das prüfen und begründen soll, wovon Präsident Dr. Andriof nach eigenem Bekunden (PM v. 28.3.06) schon längst überzeugt ist: Dass Stuttgart angeblich noch mehr Straßen braucht. Straßen, die laut LNV viele Millionen Euro kosten, nur über weitere Schulden finanziert werden können, noch mehr Verkehr erzeugen und unsere Umwelt ebenso wie die Natur zerstören.
"Zukunftsfähige Verkehrspolitik sieht anders aus", rügte der Vorsitzende des LNV, Reiner Ehret. Das RPS sei gesetzlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Feinstaub-Grenzwerte eingehalten werden. Hierzu ist es nach glaubhaften Bekundungen sowohl der Behörde selbst wie auch von Umweltministerin Tanja Gönner notwendig, den Verkehr in Stuttgart zu halbieren. Aus Sicht des LNV bleibt es wohl ein Geheimnis des Regierungspräsidenten, wie er diese Halbierung durch den Bau neuer Fernverkehrsstraßen im Großraum Stuttgart erreichen will, die mit Sicherheit den Verkehr weiter erhöhen.
Joseph Michl, Verkehrsreferent des LNV, wirft dem RPS vor, mit seiner Verkehrspolitik die Gesundheit und Lebensqualität der Bürger sowie die Belange des Natur- und Umweltschutzes in unverantwortlicher Weise zu missachten. Gleichzeitig spiele es auch mit der Zukunftsfähigkeit unserer Region. Michl weist darauf hin, dass die Bevölkerung auch im Großraum Stuttgart in spätestens 15 bis 20 Jahren abnehmen wird. Gleichzeitig nehme der Anteil der Älteren weiter zu, also jene Autofahrer, die eine wesentlich geringere Fahrleistungen hätten als jüngere. Auch die Kaufkraft werde infolge sinkender Renten und Einkommen zurückgehen, während gleichzeitig die Treibstoffpreise weiter deutlich steigen werden.
Michl prognostiziert, dass all dies zwangsläufig zu einer abnehmenden Nachfrage beim motorisierten Straßenverkehr führen wird. Straßen werden aber für Zeiträume von mindestens 50 Jahre gebaut. Jeder verantwortlich planende Unternehmer müsse sich deswegen die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, in eine absehbar sinkende Nachfrage hinein eine derart langfristige Investition zu tätigen.
Hinzu sei - so der LNV-Verkehrsreferent - zu bedenken, dass jede neue Straße erhebliche Unterhaltskosten nach sich zieht. Schon heu-te könne der Bestand nicht mehr im notwendigen Maß unterhalten werden. Infolge des Rückgangs der Erwerbstätigen müsse in spätes-tens 15 - 20 Jahren immer mehr Infrastrukturen von immer weniger Steuerzahlern unterhalten werden, darunter nicht nur die Straßen, sondern auch wichtige Anlagen für Trink- und Abwasser und das Stromnetz. "Wir können es uns nicht erlauben, dass den einstürzen-den Flachdächern bald die Straßenbrücken folgen" - so die Mahnung von Joseph Michl.
Der LNV schlägt dem RPS vor, weniger über den Bau ökologisch schädlicher und wirtschaftlich unsinniger Straßen nachzudenken. Stattdessen solle man sich Gedanken machen, wie die vorhandene Infrastruktur so zurückgebaut werden kann, dass man der gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheitsfürsorge für die Bürger ebenso gerecht wird wie der Zukunftsfähigkeit unserer Region.
Beim LNV ist man davon überzeugt, dass sich so wieder verkehrs- und kostensparende Strukturen entwickeln würden. Diese wären nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz, sondern dem heimischen Mittelstand ebenso förderlich wie der Zahl der Arbeitsplätze in der Region. Außerdem, so der LNV-Vorsitzende, würde so deutlich werden, dass auch das RPS es Ernst meint mit den Bestrebungen des "Aktionsbündnis Flächen gewinnen in Baden-Württemberg". Dieses wurde 2005 mit großem Werbeaufwand von der Landesregierung ins Leben gerufen, um den auch durch Straßenbau verursachten Landschaftsverbrauch auf das absolut nötige Minimum zu senken und Flächen eher durch Entsiegelungen zu "gewinnen".
Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.: 0711-24895520
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