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Pressemitteilung 06/19
Fazit des gut besuchten LNV-Zukunftsforums:
Naturnahe Waldwirtschaft rechnet sich
Keine Trennung in „Wellnesswald“ und „Holzacker
„Waldbau kann ökonomisch erfolgreich betrieben
werden, ohne dass auf ökologische Standards und Naturschutz
verzichtet werden muss!“ So lautet das wichtigste Fazit
des „Zukunftsforums Naturschutz“, das der Landesnaturschutzverband
Baden-Württemberg e.V. (LNV) zusammen mit der Evangelischen
Akademie Bad Boll am letzten Samstag zum Thema „Waldwechsel“
veranstaltet hatte. Zirka 150 Teilnehmer vor allem aus Kreisen
von Forstverwaltung, Waldbesitzern, Naturschutzverbänden
und amtlichem Naturschutz diskutierten dabei kontrovers die
Frage, ob Waldnutzung zukünftig nur noch unter wirtschaftlichen
Ge-sichtspunkten stattfindet.

Erbgraf von Königsegg (li)
Reiner Ehret (re) |
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LNV-Vorsitzender Reiner Ehret kam nicht umhin, seinem
Gegen-part, Max Erbgraf von Königsegg, Präsident
der Landesforst-kammer und Herr von über zweitausend
Hektar Wald in Oberschwaben, Anerkennung auszusprechen.
Dies allerdings weniger für dessen fachliche Haltung
als für die Offenheit, mit der er seine „Waldunternehmer“-Sichtweise
gegenüber den Naturschützern vertrat. So wurden
denn auch die Unterschiede zwischen ihm und den Anhängern
des naturnahen Waldbaus mehr als deutlich.
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Während für den Erbgrafen statt einer naturnahen
nur eine „standortgemäße“ Wald-wirtschaft“
zum Erfolg führt – was letztendlich auch maschinenverwertbare
Monokulturen aus schnell wachsenden, nicht heimischen Arten
erlaubt - zeigte Forstwissenschaftler Prof. Dr. Hermann Rodenkirchen
ein ganz anderes Bild auf: Seine Bilanzen bewiesen, wie gewinnbringend
seine ökologische Waldwirtschaft ist, welche er im Ortenaukreis
auf seinem 220 Hektar großen Forstbetrieb praktiziert.
Hier bilden Laubbäume - neben Nadelholzarten - verschiedenen
Alters stabile Bestände, unter anderem eine Voraus-setzung
dafür, dass der Wald auch die anstehende Klimaänderung
überleben kann. Auch die Forderung des Erbgrafen, das
Wohl und Wehe des Waldes allein dem Willen des Eigentümers
zu überlassen – von ihm verklausuliert als „Eigentümerzielsetzung“
bezeichnet - stieß bei den Naturschützern auf wenig
Begeisterung.

Beate Weber |
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Schließlich greife – so der Beitrag von
Heidelbergs OB Beate Weber – besonders im Wald
die Sozialpflichtigkeit des Eigentums, die es verbiete,
Wald nur unter dem Aspekt reiner Gewinnmaximierung zu
bewirtschaften. Der LNV war deswegen froh, dass sich
Baden-Württembergs Land-wirtschaftsminister Peter
Hauk in seinem Referat ohne Wenn und Aber für den
Erhalt einer multifunktionalen Waldwirtschaft aussprach.
Einer Einteilung in intensiv bewirtschaftete Forste
auf der einen und naturschutzkonforme Schutzwälder
auf der anderen Seite - wie zuvor vom Erbgraf befürwortet
– erteilte er eine klare Abfuhr.
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Der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern
e. V., Prof. Dr. Hubert Weiger, warnte dazu aus leidvoller
Erfahrung ausdrücklich vor einer Privatisierung des staatlichen
Forstbetriebes, wie es in Bayern geschehen sei: Seither bleibe
dort für die Bewahrung der ökologischen und sozialen
Funktionen des Waldes kein Raum mehr.
Einigkeit war unter den Seminarteilnehmern darin, dass eine
übermäßige Inanspruch-nahme zur Erholungsnutzung
zu begrenzen ist und naturnahe Waldwirtschaft ohne konsequente
Ausübung der Jagd – also Erfüllung der Abschusszahlen
- kein Erfolg beschieden sein kann.
Der LNV-Vorsitzende betonte in seinem Schlussresümee,
dass es dem Privatwaldbesitzer und Uni-Professor Rodenkirchen
offensichtlich gelungen sei, Ökologie im Wald geradezu
als Voraussetzung für eine ökonomisch erfolgreiche
Waldbewirtschaftung zu praktizieren. Dies sei beispielhaft
als Beweis dafür zu werten, dass bei der Verfolgung des
Zieles der Nachhaltigkeit tatsächlich Ökonomie und
Ökologie zu sich gegenseitig bedingenden Faktoren werden
- und dies sicherlich auch über Waldgrenzen hinaus!
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