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Pressemitteilung 06/19

Stuttgart, den 17.10.06

Fazit des gut besuchten LNV-Zukunftsforums:
Naturnahe Waldwirtschaft rechnet sich
Keine Trennung in „Wellnesswald“ und „Holzacker

„Waldbau kann ökonomisch erfolgreich betrieben werden, ohne dass auf ökologische Standards und Naturschutz verzichtet werden muss!“ So lautet das wichtigste Fazit des „Zukunftsforums Naturschutz“, das der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. (LNV) zusammen mit der Evangelischen Akademie Bad Boll am letzten Samstag zum Thema „Waldwechsel“ veranstaltet hatte. Zirka 150 Teilnehmer vor allem aus Kreisen von Forstverwaltung, Waldbesitzern, Naturschutzverbänden und amtlichem Naturschutz diskutierten dabei kontrovers die Frage, ob Waldnutzung zukünftig nur noch unter wirtschaftlichen Ge-sichtspunkten stattfindet.


Erbgraf von Königsegg (li)
Reiner Ehret (re)
 


LNV-Vorsitzender Reiner Ehret kam nicht umhin, seinem Gegen-part, Max Erbgraf von Königsegg, Präsident der Landesforst-kammer und Herr von über zweitausend Hektar Wald in Oberschwaben, Anerkennung auszusprechen. Dies allerdings weniger für dessen fachliche Haltung als für die Offenheit, mit der er seine „Waldunternehmer“-Sichtweise gegenüber den Naturschützern vertrat. So wurden denn auch die Unterschiede zwischen ihm und den Anhängern des naturnahen Waldbaus mehr als deutlich.

Während für den Erbgrafen statt einer naturnahen nur eine „standortgemäße“ Wald-wirtschaft“ zum Erfolg führt – was letztendlich auch maschinenverwertbare Monokulturen aus schnell wachsenden, nicht heimischen Arten erlaubt - zeigte Forstwissenschaftler Prof. Dr. Hermann Rodenkirchen ein ganz anderes Bild auf: Seine Bilanzen bewiesen, wie gewinnbringend seine ökologische Waldwirtschaft ist, welche er im Ortenaukreis auf seinem 220 Hektar großen Forstbetrieb praktiziert. Hier bilden Laubbäume - neben Nadelholzarten - verschiedenen Alters stabile Bestände, unter anderem eine Voraus-setzung dafür, dass der Wald auch die anstehende Klimaänderung überleben kann. Auch die Forderung des Erbgrafen, das Wohl und Wehe des Waldes allein dem Willen des Eigentümers zu überlassen – von ihm verklausuliert als „Eigentümerzielsetzung“ bezeichnet - stieß bei den Naturschützern auf wenig Begeisterung.


Beate Weber
 


Schließlich greife – so der Beitrag von Heidelbergs OB Beate Weber – besonders im Wald die Sozialpflichtigkeit des Eigentums, die es verbiete, Wald nur unter dem Aspekt reiner Gewinnmaximierung zu bewirtschaften. Der LNV war deswegen froh, dass sich Baden-Württembergs Land-wirtschaftsminister Peter Hauk in seinem Referat ohne Wenn und Aber für den Erhalt einer multifunktionalen Waldwirtschaft aussprach. Einer Einteilung in intensiv bewirtschaftete Forste auf der einen und naturschutzkonforme Schutzwälder auf der anderen Seite - wie zuvor vom Erbgraf befürwortet – erteilte er eine klare Abfuhr.

Der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern e. V., Prof. Dr. Hubert Weiger, warnte dazu aus leidvoller Erfahrung ausdrücklich vor einer Privatisierung des staatlichen Forstbetriebes, wie es in Bayern geschehen sei: Seither bleibe dort für die Bewahrung der ökologischen und sozialen Funktionen des Waldes kein Raum mehr.

Einigkeit war unter den Seminarteilnehmern darin, dass eine übermäßige Inanspruch-nahme zur Erholungsnutzung zu begrenzen ist und naturnahe Waldwirtschaft ohne konsequente Ausübung der Jagd – also Erfüllung der Abschusszahlen - kein Erfolg beschieden sein kann.



Der LNV-Vorsitzende betonte in seinem Schlussresümee, dass es dem Privatwaldbesitzer und Uni-Professor Rodenkirchen offensichtlich gelungen sei, Ökologie im Wald geradezu als Voraussetzung für eine ökonomisch erfolgreiche Waldbewirtschaftung zu praktizieren. Dies sei beispielhaft als Beweis dafür zu werten, dass bei der Verfolgung des Zieles der Nachhaltigkeit tatsächlich Ökonomie und Ökologie zu sich gegenseitig bedingenden Faktoren werden - und dies sicherlich auch über Waldgrenzen hinaus!

 

 


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