Pressemitteilung 06/21
Landesnaturschutzverband kritisiert
Investitionsrahmenplan
Wir brauchen keine neuen Straßen
mehr!
Bemühungen um Klimaschutz
werden konterkariert
Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg
(LNV) fordert die Bundesregierung auf, die für den Schutz
unseres Kli-mas notwendigen Maßnahmen endlich auch im
Verkehrsbereich zu ergreifen und die knappen Finanzmittel
nicht mehr für unsin-nigen Straßenbau und andere,
die Umwelt zerstörende Ver-kehrsprojekte auszugeben.
Es sei – so der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret - geradezu
eine „volkswirtschaftliche Farce“, Milli-arden
zur Förderung des motorisierten Straßenverkehrs
auszugeben, um danach weitere Milliarden zur Behebung der
dadurch entstehenden Klimaschäden aufwenden zu müssen.
Nach Ansicht des LNV betont die Bundesregierung mit Recht,
dass sich das deutsche Verkehrsnetz bereits durch einen hohen
Erschlie-ßungsgrad auszeichnet. Es sei daher folgerichtig,
dass der Investiti-onsrahmenplan 2006-2010 des Bundes (IRP)
für die Verkehrsinfra-struktur den größten
Anteil der Gesamtausgaben für den Ersatz und den Erhalt
bereits vorhandener Verkehrs-Infrastruktur vorsieht.
Um so mehr kritisiert der LNV, dass die Bundesregierung immer
noch von einem weiteren Wachstum des motorisierten Verkehrs
ausgeht. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass dieser jedoch
in Deutschland inzwischen zum Stillstand gekommen und seit
wenigen Jahren sogar schon leicht rückläufig ist.
Ursachen dafür sind die stark steigenden Energiekosten,
sinkende verfügbare Einkommen sowie eine immer älter
werdende und bald auch in Baden-Württemberg schrumpfende
Gesellschaft. Und es sind keine Fakto-ren erkennbar, die hier
auf kurze oder auf mittlere Sicht eine Trend-umkehr bewirken
könnten.
Aus Sicht des LNV ist der Bau neuer Straßen somit nicht
nur in ho-hem Maße umweltschädlich, sondern auch
verkehrlich nicht mehr notwendig. Hierzu Joseph Michl, Verkehrsreferent
des LNV:
„Der Bau neuer ‚schneller’ Straßen
ermöglicht es den Nutzern, in der ihnen zur Verfügung
stehenden Zeit weitere Strecken als seither zurückzulegen
bzw. die gleiche Strecke häufiger zu befahren. Obwohl
diese „Beschleunigung“ nachgewiesen zu mehr Verkehr
führt, nimmt dieser insgesamt schon seit einigen Jahren
nicht mehr zu. Würde der Staat keine neuen Straßen
mehr bauen, hätten wir folglich schon heute eine deutliche
Verkehrsabnahme. Dies würde die Umwelt und die Bürger
wirksam entlasten.“
Für inakzeptabel hält es der LNV, dass in der Begründung
für den IRP zwar viel von der Stärkung der Wirtschaft
die Rede ist, die Be-lange des Natur- und Umweltschutzes aber
vollkommen ausgeblen-det werden. Besonders deutliche Defizite
zeige der IRP in punkto Auswirkungen auf den Klimaschutz.
Dabei habe der motorisierte Verkehr einen immer höheren
Anteil an der Erzeugung der Treib-hausgase.
Reiner Ehret befürchtet deshalb, dass auch dieser Fünfjahresplan
die dringend notwendige Senkung des CO2-Ausstoßes durch
den Ver-kehr stark erschweren wird. Damit werde die Absicht
der Bundesre-gierung konterkariert, die Verpflichtung des
Kyoto-Protokolls zum Schutz des Klimas einzuhalten. Ehret
weiter: „Es ist dem Bürger nicht zu vermitteln,
dass er in seinem privaten Bereich immer mehr Geld für
den Klimaschutz ausgeben muss, der Bund aber mit seinen In-vestitionen
in den Straßenbau genau das Gegenteil bewirkt.“
Besonders kritisch sieht der LNV den zunehmend autobahnähnlichen
Ausbau vieler Bundesstraßen. Damit werden dem Lkw-Fernverkehr
immer mehr attraktive Maut-Ausweichstrecken angeboten. Die
Belas-tungen für die Bevölkerung nehme dadurch immer
weiter zu. Genau-so falsch sei es, dass die Bundesregierung
auf eine weitere Zunah-me des Flugverkehrs setzt und deshalb
besondere Anstrengung zur schnellen verkehrlichen Anbindung
der Flughäfen unternimmt. Nach Ansicht des LNV werde
dadurch die Anzahl der Flüge noch gesteigert. Der Luftverkehr
sei aber unter Umweltgesichtspunkten besonders schädlich,
seine negativen Auswirkungen auf das Weltklima unumstritten.
Der LNV fordert die politisch Verantwortlichen deswegen auf,
keine neuen Straßen mehr zu bauen, die negative Auswirkungen
auf den Flächenverbrauch, die Flächenzerschneidung,
den Artenschutz oder das Klima haben. In seinen Augen sind
damit die allermeisten Neu- und Ausbauvorhaben obsolet.
Investitionsrahmenplan-Fuenfjahresplan-Projektliste der Bundesregierung (pdf-Datei)
Für Rückfragen steht Ihnen die LNV-Geschäftsstelle
(Fon 0711/24 89 55 -20, Fax -30, Email:
info@lnv-bw.de ) zur Verfügung.
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