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Pressemitteilung 06/22

Stuttgart, den 10.11.2006

 

Landesnaturschutzverband kritisiert Flurneuordnung

LNV fordert „Klasse auch in der Masse

Die Flurneuordnung als Wegbereiter für landwirtschaftlichen Gigantismus?

Den heute vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum vorgestellten Flurneuordnungs-Geschäftsbericht 2005 nimmt der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) zum Anlass, auf Fehlentwicklungen im Bereich Naturschutz hinzu-weisen. Grund dafür sind die aktuellen Erfahrungen seiner ehrenamtlichen Natur-schützer, die Flurneuordnungsverfahren im ganzen Land fachlich begleiten. Diese offenbaren nämlich oft eine ganz andere Realität, als sie der Öffentlichkeit in den bunt bebilderten Geschäftsberichten vorgestellt wird.

So verweist schon der letzte Geschäftsbericht unter dem Stichwort „Highlights“ auf wenige handverlesene Verfahren, bei denen die Symbiose zwischen den Ansprüchen der Landwirtschaft, der Kommunen und des Naturschutzes besonders gut gelungen ist. Nach Ansicht des LNV wird jedoch die Tatsache verschwiegen, dass bei einem Großteil der anderen Verfahren die Erfordernisse des Naturschutzes nicht ausreichend berücksichtigt werden und in der langfris-tigen Bilanz erhebliche Arten- und Biotopverluste auftreten. Den Grund sieht der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret insbesondere darin, dass sich die Flurneuordnung nach Realisierung eines Verfahrens kaum mehr um Pflanzungen und ökologische Planvorgaben wie den Erhalt von Grünland kümmert. „Teilweise sind schon vor Abschluss des Verfahrens,“ so Ehret, „viele der „gut gemeinten“ Biotopanlagen verwahrlost oder ganz verschwunden.“ Der LNV fordert deswegen mit allem Nachdruck, solchen Verlusten durch eine langfristige Kon-trolle sowie Pflegevereinbarungen vorzubeugen und die betroffenen Grundstückseigentümer – in der Regel Kommunen – auf ihre Ver-antwortung für ihre Biotope schriftlich hinzuweisen.
Die Naturschützer räumen ein, dass sie gemeinsam mit der Naturschutzverwaltung im Laufe der letzten Jahrzehnte in den Verfahren Fortschritte erzielen konnten. Doch deuten die jüngsten Erfahrungen der LNV-Aktiven auf eine bedauerliche Trendwende hin. So fordere die Landwirtschaftseite - offensichtlich unter dem Druck der Globalisierung - immer größere Bewirtschaftungseinheiten und noch breitere Wege, die den Einsatz von stetig größer gebauten Maschinen ermöglichen. Die Folge seien Ackerblöcke von 20-30 Hektar und Feld-wege in der Dimension einer Kreisstraße.
Für den LNV löst dieser Weg in den landwirtschaftlichen Gigantismus weder die wirtschaftlichen Probleme der Bauern noch hält er einen solchen Standard mit den Erfordernissen unseres Landschafts- und Naturschutzes für vereinbar. „Hier muss die Landwirtschafts- und Naturschutzverwaltung den Forderungen der Agrarlobby deutlich Pa-roli bieten, um die im neuen Naturschutzgesetz von ihr selbst gesteckten Ziele erfüllen zu können“, forderte der LNV-Chef.
Im Übrigen könne man es sich durchaus vorstellen, das Instrument der Flurneuordnung vermehrt zur Bewältigung ökologischer Aufga-ben einzusetzen wie etwa der Gewässerrenaturierung, der Schaffung zusammen hängender Extensivweideflächen oder zur Umsetzung des Biotopverbundes nach dem Natura2000-Programm.

Für Rückfragen steht Ihnen die LNV-Geschäftsstelle (Fon 0711/24 89 55 -20, Fax -30, Email: info@lnv-bw.de ) zur Verfügung.


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