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Pressemitteilung 07/02
Stuttgart, den 30.01.2007
Naturschützer schlagen Alarm
„Dringender Reparaturbedarf bei der Verwaltungsreform!“
Landesnaturschutzverband fordert Ministerpräsident Oettinger
zu deutlichen Korrekturen auf.
Verloren gegangene Fachkompetenz, Zersplitterung von
Zuständigkeiten und Misswirtschaft in Personalfragen
- so lauten nur einige der Vorwürfe, die der Landesnaturschutzverband
Baden-Württemberg (LNV) heute in einer Bilanz nach zwei
Jahren Verwaltungsreform erhoben hat.
Der Dachverband der baden-württembergischen Naturschutzvereine
hatte in den letzten Monaten in einer aufwändigen Recherche
seine Mitarbeiter in allen Stadt- und Landkreisen, aber auch
zahlreiche Bedienste der Naturschutzverwaltung zu den Auswirkungen
des Verwaltungsreformgesetzes befragt. Reiner Ehret, Vorsitzende
des LNV, bringt das Ergebnis mit zwei Worten auf den Punkt:
„Dringender Re-paraturbedarf!“.
Geradezu lähmend wirkt sich etwa – so das übereinstimmende
Urteil aller Befragten - die diktatorisch verordnete „Effizienzrendite“
von 20 % aus, die über die Reduzierung des Personalbestandes
erreicht werden soll. Denn die Naturschutzbehörden werden
mit immer neuen, arbeitsaufwändigen Aufgaben wie der
Umsetzung des Natura2000-Programms für die neuen europäischen
Schutzgebiete konfrontiert. Parallel dazu zwingt man sie,
laufend Personal abzubauen und so bleiben Pflichtaufgaben
wie die Betreuung der anderen Schutzgebiete oder die Kontrolle
von Ausgleichsmaßnahmen liegen. Um einen Teil der personellen
Lücken zu stopfen, wurden auf maximal 2 Jahre befristete
Zeitarbeitsverträge und Werkverträge abgeschlossen.
Die Einarbeitung der deswegen ständig wechselnden Mit-arbeiter
und Vertragsnehmer bindet jedoch so jedes Mal über Mona-te
erfahrenes, an anderer Stelle dringend benötigtes Fachpersonal.
Ehret: „Dass die dann eingearbeiteten Fachleute nach
zwei Jahren aus arbeitsrechtlichen Gründen wieder in
die Wüste geschickt wer-den müssen, ist eine Vergeudung
ersten Ranges!“
Naturschutzbeauftragte, von denen vor der Reform viele in
den unabhängigen unteren Fachbehörden wie den Forst-
und Landwirtschaftsämtern angestellt waren, stehen infolge
der Eingliederung ihrer Ämter jetzt im Dienste eben jenes
Landrats, dessen Vorhaben sie eigentlich kritisch zu überprüfen
hätten. Eine Umfrage des LNV unter den Naturschutzbeauftragten
ergab, dass es infolge dieser Konfliktsituation schwierig
sein wird, für dieses Ehrenamt zukünftig geeignete
Personen zu finden. Doch nicht nur hier droht eine Erosion
des Fachwissens: Infolge der Zerschlagung von früher
regional tätigen Fachämtern wie den Gewässerdirektionen
steht das Können vieler Spezialisten nur noch einem der
Landkreise zur Verfügung. Jene, die leer ausgingen, können
oder wollen sich Neueinstellungen nicht leisten.
Die Leidtragenden sind zum einen die Natur, welcher immer
weniger die dringend notwendige Sorgfaltspflicht der Gesetzesvertreter
zu Gute kommt, zum anderen jedoch auch die Bürger, die
vergeblich Rat suchen. Auch die Wege der Entscheidungsfindung
sind nach Meinung der Befragten undurchsichtiger geworden:
„ Heute gibt es nur noch eine Stimme, nämlich die
des Landrats,“ monierte der LNV-Chef. Dieser lege großen
Wert auf eine einheitliche Außendarstellung und bringe
seine Bediensteten daher rechtzeitig „auf Linie“.
In den Augen von Reiner Ehret hat die von Ex-Ministerpräsident
Teufel durchgeboxte Verwaltungsreform deshalb - zumindest
was den Na-turschutz anbelangt - gerade das Gegenteil von
dem bewirkt, was von seinem Macher versprochen wurde: Mehr
Umständlichkeit, naturschutzfachlich schlechtere Entscheidungen,
„Kleinstaaterei“ und weniger Transparenz für
den Bürger. In einem Brief an Ministerpräsident
Oettinger, der die umfangreiche Vorschlagsliste des LNV zur
Evaluierung der Verwaltungsreform begleitet, schreibt Ehret
deshalb: „Ich hoffe, dass Sie nach dem Studium unserer
Ausarbeitung erkennen können, dass wir uns mit großem
Ernst bemüht haben, Ihnen bei der notwendigen Korrektur
der Verwaltungsreform 2005 mit kritischen, sachlichen Argumenten
zu helfen.“
Eine ausführliche Bilanz zu zwei Jahre Verwaltungsreform:
weiter
Für Rückfragen steht Ihnen die LNV-Geschäftsstelle
(Fon 0711/24 89 55 -20, Fax -30, Email:
info@lnv-bw.de ) zur Verfügung.
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