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Pressemitteilung 070320
Stuttgart, den 20.03.2007
Naturschützer zum „Tag des Waldes“:
Der LNV moniert den groben Umgang mit unserem Wald
Warnung vor irreparablen Langzeitschäden
Im Zeichen des neuen Holzbooms appelliert der Landesnatur-schutzverband (LNV) zum morgigen „Tag des Waldes“ an alle Waldbesitzer, bei der Holznutzung Maß zu halten und zu den Grundsätzen naturnaher Waldwirtschaft zurück zu kehren. Es gälte, sich wieder verstärkt mit den Zukunftsanforderungen der Gesellschaft an den Wald auseinander zu setzen.
„Wir gönnen den Waldbesitzern, dass im Wald wieder verdient
wird, denn sie haben eine lange Durststrecke hinter sich“
- so die Feststel-lung des LNV-Vorsitzenden Reiner Ehret.
Seit den Orkanen der 90er-Jahre waren die Holzpreise im Keller,
die Betriebsergebnisse defizitär. Jetzt wird kräftig Holz
geschlagen. „So kräftig, dass da und dort die Nachhaltigkeitsgrenzen
erkennbar überschritten werden“, beklagt der LNV-Chef. Dies
habe auch zur Folge, dass im Wald mehr Schäden am Boden und
am verbleibenden Waldbestand in Kauf genommen werden, als
es guter fachlicher Praxis entspricht.
Der LNV sieht die Holzernte im Wirtschaftswald zwar als einen
„Motor der Waldverjüngung“ und will diese daher im Grundsatz
keineswegs ne-gativ bewerten. Doch wo zu viel Holz auf einmal
entnommen wird (mehr als 100 bis 150 Festmeter je Hektar),
gehe dies unweigerlich zu Lasten der nachrückenden Waldgeneration.
Hinzu kommt, dass bedingt durch den regenreichen, allzu milden
Winter die Erntema-schinen derzeit tiefere Spuren hinterlassen,
als es empfindliche Waldböden vertragen.
Irreparable Langzeitschäden sind die Folgen. Nach Beobachtung
des LNV-Forstreferenten Wolf Hockenjos wird gerade vermehrt
starkes Holz geschlagen, nachdem sich die Absatzmöglichkeiten
hier deutlich verbessert haben. Wertvolle Tannen werden derzeit
vorzugsweise nach Japan exportiert. Der Forstdirek-tor i.R.
fragt sich, ob hier nicht binnenländische Wertschöpfung durch
einheimische Verarbeiter sträflich verschenkt wird.
So sehr man das Produktionsziel Starkholz aus der Sicht des
Naturschutzes auch be-grüße, so bedenklich sei es, wenn der
Wald allzu systematisch nach starken Stämmen ausgekämmt wird.
„Es wird künftig an Habitat-, Horst- und Höhlenbäumen fehlen
und der Artenschutz wird das Nachsehen haben“, mahnt Hockenjos.
Er weist darauf hin, dass weite Teile der heimischen Wälder
FFH-Gebiete sind, in denen ein Verschlechterungsverbot gesetzlich
verankert ist.
Bei allzu starken Eingriffen im Starkholzbereich sei die Verschlechterung
der ökologischen Qualität unausweichlich. Der LNV bedauert,
dass die Jahre schlechter Ertragslage bei vielen Waldbesitzern,
insbesondere beim Großprivatwald, zu einer Abkehr von den
Grundsätzen naturnaher Waldwirtschaft geführt haben. So sei
der ökologische Waldumbau (der Umbau naturwidriger Monokulturen)
sogar im öffentlichen Wald nahezu vollständig zum Erliegen
gekommen.
Auch die Hemmschwellen gegenüber Kahlhieben habe man herunter
gefahren, nicht zuletzt ablesbar an exzessiven Ver-kehrssicherungsmaßnahmen
längs von im Wald verlaufenden Straßen. Der LNV weist darauf
hin, dass im Zuge des Klimawandels dem Wald große Belastungen
bevorstehen. Vor diesem Hintergrund halten die Naturschützer
einen allzu grobschlächtigen Umgang mit dem Wald, erst recht
die Vernachlässigung des Waldumbaus für unver-antwortlich
und nicht im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit.
Für Rückfragen steht Ihnen die LNV-Geschäftsstelle
(Fon 0711/24 89 55 -20, Fax -30, Email:
info@lnv-bw.de ) zur Verfügung.
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