Pressemitteilungen
Stuttgart, den 15.06.2007
LNV ist wenig begeistert:
CO2-Bilanz offenbart Schwächen der Landespolitik
Kraft-Wärme-Koppelung statt Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke
–
Tempolimit statt ÖPNV-Abbau
„Kein Grund zum Auf-die-Schulter-Klopfen“ – so die
Reaktion des Landesnaturschutzverbandes (LNV) zu den heute
veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes, die
im Land einen Rückgang der energiebedingten CO2-Emission konstatieren.
Wer die Bilanz näher lese, merke – so der stellvertretende
LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner - sehr schnell, wo das
Land seine „klimapolitischen Hausaufgaben“ bislang nicht gemacht
habe.
Den wahren Grund für den Rückgang sieht der LNV
weniger in den Erfolgen der Landespolitik als darin, dass
2004 die Konjunktur noch gelahmt habe. Die ersten Zahlen aus
2005 deuten jedenfalls schon daraufhin, dass infolge der boomenden
Wirtschaft wieder ein starker Anstieg des CO2-Ausstoßes
zu erwarten ist. Aus der Bilanz sei jedenfalls deutlich zu
erkennen, wo landesweit die Schwachpunkte in der CO2-Reduktion
liegen: Zum einen in der Zunahme beim Energieverbrauch der
privaten Haushalte, zum anderen im überdurchschnittlichen
Anstieg des Straßenverkehrs.
Nach wie vor werde bei den privaten Haushalten kräftig
„aus dem Fenster geheizt“. Die bestehenden Anreize
wie der „Energiesparcheck“ sind nach Ansicht des
LNV viel zu gering, um dieses Problem zeitnah in den Griff
zu bekommen. Gefordert sei, dass endlich Regelungen wie die
Energieeinsparverordnung auf den heutigen technischen Stand
gebracht werden, hinter dem sie gut ein Jahrzehnt hinterherhinkt.
Fast unwirksam sind die mageren Nachrüstverpflichtungen
für Altbauten, wo der Großteil der Energie verpufft.
Hier ist der Bund gefordert, aber auch das Land könnte
handeln: Nicht einmal die bescheidenen gültigen Standards
werden bei der Mehrheit der Neubauten eingehalten, weil die
Baukontrolle – eine durch das Land geregelte Aufgabe
der Kommunen – nahezu abgeschafft wurde.
„Doch wie kann man von den privaten Bauherren konsequentes
Energiesparen erwarten“, so Dr. Bronner, „wenn
die öffentliche Hand mit schlechtem Beispiel vorangeht?“
Zahlreiche öffentliche Gebäude der Kommunen, aber
auch des Landes, seien nach Kenntnis des LNV energetisch völlig
veraltet. Nur wenige Kommunen hätten bisher so konsequent
auf Energiesparen gesetzt wie Stuttgart und andere Vorreiter.
Anstatt die Monopolstellung der großen Energieversorger
mit einer Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke
zu untermauern, gälte es die dezentrale Energieversorgung
in allen Städten massiv auszubauen. Nur auf diesem Weg
sei die hocheffiziente Kraft-Wärme-Koppelung mittels
Nah- und Fernwärmenetzen zu verwirklichen.
Weiterhin erschreckend hoch ist der Energieverbrauch im Straßenverkehr.
Hier empfiehlt der LNV der Landes- und Bundesregierung, endlich
ihre ideologischen Vorurteile gegen die nach einer Studie
des Umweltbundesamtes einfachste wirksamste und billigste
Klimaschutzmaßnahme aufzugeben: ein generelles Tempolimit.
Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.:
0711-24895520
|