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Stuttgart, den 02.03.05
Viel Wind um falsche Windkraft-Zahlen
Landesnaturschutzverband kritisiert Ministerpräsident Teufels "Horror-Zahlen"
Stuttgart. Mit Verwunderung reagierte heute der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg e. V. (LNV), Reiner Ehret auf die von Ministerpräsident Teufel öffentlich in Aussicht gestellte "Horrorvorstellung" (Zitat Teufel!) von "bis zu 5.000 Windkraftanlagen", die man in Baden-Württemberg (BW) aufstellen müsse, um die von der Bundesregierung gewünschten 15 % Strom künftig mit Wind zu erzeugen.
Bei aller Zurückhaltung gegenüber zu vielen Windrädern - vor allem auf landschaftlich reizvollen Bergketten - sei es, so Ehret, doch angebracht, mit korrekten Zahlen zu argumentieren. Ehret verweist auf das für das Wirtschaftsministerium im Juli 2002 veröffentlichte Gutachten ("Handlungsempfehlungen zur Verdoppelung des Anteils regenerativer Energien an der Energieversorgung BW bis 2010") und empfiehlt Teufel, doch einmal die Ergebnisse von Gutachten zur Kenntnis zu nehmen, die die Landesregierung selbst in Auftrag gegeben hat.
Danach sollten bis zum Jahr 2010 rund 600 MW weitere Windleistung errichtet werden, also z. B. 300 Anlagen à 2 MW. Zusammen mit den heutigen Anlagen, also dann mit 550 Windmühlen, kann dann etwa eine Strommenge von 1.300 GWh/a bereitgestellt werden, das sind 2 % der gesamten heutigen Stromerzeugung. Maximale für BW mögliche Potenziale unter Berücksichtigung strenger Naturschutzauflagen liegen langfristig bei insgesamt 2.400 GWh/a, also bei etwa 3,5 % der heutigen Stromerzeugung. Für die Differenz von 1.100 GWh/a würden noch einmal ca. 700 - 800 MW Leistung benö-tigt (bei einer geringeren Ausnutzung als obige Anlagen), also z. B. 300 Anlagen zu je 2,5 MW. Maximal würden also in Baden-Württemberg etwa 800 Anlagen stehen. Die heutigen 250 würden dann auch durch weniger größere Anlagen ersetzt. "Von 15 % Windbeitrag in einem Binnenland war nie die Rede", korrigierte Ehret den Ministerpräsidenten. Die letzte Gruppe von Anlagen würde - so das Gutachten des Wirtschaftsministeriums - erst langfristig bei voller Wirtschaftlichkeit, also ohne Zusatzkosten durch das Energieeinspeisungsgesetz, gebaut werden.
Dringend empfiehlt der LNV-Vorsitzende der Landesregierung zusätzliche Fördermaßnahmen zur Energieeinsparung. Er folgert: "Wenn wir die Energieverschwendung im Straßenverkehr und beim Hausbrand halbieren, verdoppeln wir automatisch den Anteil der erneuerbaren Energie und sind ökonomisch und ökologisch fein heraus und keiner muss mehr mit "Horror-Zahlen" die Öffentlichkeit verschrecken!" Und: "Wenn die Landesregierung bei der Windenergie bremst, sollte sie dringend bei anderen, problemfreien regenerativen Energiequellen - also z. B. bei der Biomasse oder bei der Geothermie - Gas geben, und zwar erheblich mehr als bisher!" Nur dann seien Bekenntnisse zum Klimaschutz glaubwürdig.
Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.: 0711-24895520 |
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