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Stuttgart, den 19.04.05

LNV voller Hoffnung

Sprachlosigkeit mit Landesregierung scheint vorbei zu sein

Staatssekretär Hillebrand spricht auf LNV-Mitgliederversammlung


Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) blickt optimistisch in die Zukunft: Nach Jahren dürftiger Kommunikation mit dem obersten Landesherrn sieht dessen Vorsitzender Reiner Ehret deutliche Anzeichen für eine Verbesserung der Kontakte zum neuen Ministerpräsidenten. Bei der Mitgliederversammlung des Naturschützer-Dachverbandes am vergangenen Wochenende forderte der LNV-Vorsitzende den anwesenden Staatssekretär Hillebrand auf, hinsichtlich solch dicker Probleme wie der Feinstaubbelastung oder dem Flächenverbrauch den Worten und Versprechungen nun rasch Taten folgen zulassen.

Den Dank des Staatssekretärs für den fairen Umgang, welcher der LNV trotz kontroverser Ansichten mit den Ministerien praktiziere, wurde von Reiner Ehret gerne angenommen. Dagegen ließ er Hillebrands Aussage, das aktuelle Feinstaubproblem habe nichts mit einer schlechter gewordenen Luft, sondern mit lediglich mit der Grenzwertverschärfung zu tun, nicht unkommentiert: Der schon seit Jahren angekündigte EU-Grenzwert basiere auf einem nachgewiesenen Gesundheitsrisiko. Bund, Land, Kommunen und natürlich auch die Industrie hätten längst handeln können, um die Bevölkerung vor diesen Gefahren zu schützen. Ehret warb erneut dafür, eine City-Maut derart einzuführen, Besucher/Pendler zu verpflichten, als "Eintrittskarte" in das Stadtzentrum ein Nahverkehrsticket zu lösen. Sie könnten dann zwischen Auto (mit dem Ticket hinter der Windschutzscheibe als Quasi-Vignette) und der Benutzung des ÖPNV wählen. Diese vom LNV schon vor Wochen vorgeschlagene Lösung hätte den Charme, dass die Nutzer - neben der Wahlfreiheit - auch einen Gegenwert für ihre Gebühr erhielten und diese "Mautzahlung" nicht als Bestrafung empfinden müssten. Für den LNV sei es - so Ehret - erfreulich, dass vom Kabinett das Problem der Zersiedlung der Landschaft endlich erkannt werde. Die weitere Mitarbeit im Aktionsbündnis "Flächen gewinnen für Baden-Württemberg" mache der LNV allerdings davon abhängig, ob den Versprechen der Bündnispartner nun auch bald Taten folgen würden. Ehret verwies darauf, dass eine intakte Landschaft für Firmen inzwischen ein "grüner Standortfaktor" sei: Bei der Ansiedlung eines neuen Betriebs wolle man seinen Mitarbeitern ein attraktives Umfeld für die Erholung bieten. Hillebrand und Ehret waren sich darin einig, dass die Kommunenzukünftig die Innen- statt der Außenentwicklung vorantreiben müssen und dass sich eine ungebremste Ausweitung von Baugebieten schon wegen der in den nächsten Jahrzehnten zu erwartenden Rückentwicklung der Bevölkerungszahlen verbiete.

Dass sich in gestalteten Innenräumen hervorragend leben lässt, dokumentiert der LNV mit seinem neuen Film "Ende im Gelände", welcher zum Abschluss der Versammlung den anwesenden Aktiven aus über 50 baden-württembergischen Natur- und Umweltschutzvereinen vorgeführt wurde. Der 45-Minuten-Film, ergänzt durch ein 80-seitiges Lesebuch (zusammen als Medienpaket im Handel erhältlich) - behandelt in origineller und informativer Weise das Thema "Flächenverbrauch", ohne den moralischen Zeigerfinger zu heben. Er zeigt auf, dass man die Lebensqualität erhöhen und gleichzeitig den Flächenverbrauch reduzieren kann. Damit, so der LNV-Vorsitzende abschließend, sei er hervorragend geeignet, alle mit der Bauleitplanung beschäftigten Personen und Gremien zum Nach- und Umdenken zu bewegen.


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