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Stuttgart, den 17.10.05

Landesnaturschutzverband hält Markteinführung des Wasserstoffautos für verfrüht

Wird Verbraucher in Sachen Umweltfreundlichkeit getäuscht?

Die Ankündigung von Daimler Chrysler, sein neues Wasserstoffauto F 600 bereits 2010 auf den Markt zu bringen, stößt beim Dachverband der baden-württembergischen Naturschutzverbände LNV auf heftige Kritik. Die Umweltschützer werfen dem Automobilkonzern vor, die Tatsache unter den Tisch zu fallen lassen, dass zur Herstellung des "umweltfreundlichen" Wasserstoffs bis auf absehbare Zeit noch erhebliche Mengen an fossiler Energie von Nöten sind.

So werde ein Großteil des Wasserstoffs heutzutage noch mithilfe von Strom aus fossiler Energie hergestellt. Beim Wirkungsgrad eines Kohlekraftwerkes verschlinge dies beispielsweise die 2-3fache Men-ge an Energie. Ein weiteres Verfahren stellt Wasserstoff aus Erdgas oder Schweröl her, was ebenfalls mit erheblichen energetischen Ver-lusten verbunden ist. Nach Ansicht von Dr. Gerhard Bronner, stellvertretender Vorsitzender des LNV, ist es deswegen wesentlich vernünftiger, gleich auf den bewährten Erdgasmotor einzusetzen.

Der LNV bemängelt, dass diese Zusammenhänge in der breiten Öffentlichkeit - wie jetzt von Daimler-Chrysler - nicht ausreichend dargestellt werden. Häufig nicht zwischen "Energieträger" und "Energiequellen" unterschieden: Als Energieträger sei der Wasserstoff tatsächlich sehr emissionsarm (ein Wasserstoffauto stößt im Betrieb kein Kohlendioxid aus), aber nur solange die eigentliche "Energiequelle" für seine Herstellung nicht mit in die Bilanz einbezogen werde. Wenn Daimler-Chrysler diese Fakten beiseite lasse, sei dies - so Dr. Bronner - eine bewusste Täuschung des Verbrauchers.

Daran ändere in absehbarer Zeit auch nichts der Vorschlag, den nötigen Strom für die Wasserstoffherstellung mit Hilfe regenerativer Energien herstellen. Denn solange der ganz normale Strombedarf überwiegend mit fossilen Energieträgern gedeckt werde, sei es laut Dr. Bronner viel effizienter und kostengünstiger, mit dem regenerativen Strom zuerst fossile Kraftwerke zu ersetzen, als die Umwandlungsverluste zur Erzeugung von Wasserstoff in Kauf zu nehmen. Dieser Ablöseprozess werde jedoch ganz sicher noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen, der F 600 komme deshalb 2010 viel zu früh auf den Markt.

Der LNV empfiehlt stattdessen bis auf weiteres eine Antriebstechnik, die durch bessere Abgasreinigungstechnik und geringeren Energieverbrauch die Umwelt entlastet und auf CO2-neutrale Treibstoffe aus Biomasse setzt. Diese schon nahezu marktreifen Techniken in der Breite durchzusetzen wäre effizienter, kostengünstiger und für die Umwelt wirksamer, als jetzt eine neue Antriebstechnik mit fragwürdiger Ökobilanz zu entwickeln.

Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.: 0711-24895520

 


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