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Stuttgart, den 22.10.05
Zukunftsforum des Landesnaturschutzverbandes
Zerschnittene Landschaft senkt Lebensqualität
Minister Hauk wünscht sich mehr Sensibilität bei Kommunen
Umweltverbände und Politik waren sich beim gestrigen Zukunftsforum des Landesnaturschutzverbandes (LNV) im Stuttgarter
"Haus der Wirtschaft" im Grundsatz einig: Das Thema Landschaftszerschneidung muss wie der Flächenverbrauch viel stärker ins
Bewusstsein der Behörden, Politiker und Planer vordringen. Landwirtschaftsminister Hauk forderte die Kommunen auf, dem Thema
in ihrer Bauleitplanung künftig mehr Beachtung zu schenken.
Es wurde bei den Vorträgen von fünf namhaften Wissenschaftlern unmissverständlich deutlich: Die dramatischen Folgen, welche
insbesondere der Verkehrswegebau an unserer Landschaft verursacht, führen zur "Verinselung" von Lebensräumen, zur Isolation
und letztendlich zum Aussterben zahlreicher Tierarten, die enorme Zahl an Verkehrsopfern trage nicht unerheblich dazu bei.
Auch der Mensch meidet Gebiete, die ihn aufgrund zu hoher Straßendichte einengen. Doch es fehle - so das einmütige Fazit der
Referenten derzeit immer noch die Bereitschaft, diese Erkenntnisse umzusetzen.
Aus Sicht des LNV-Vorsitzenden Reiner Ehret mangelt es insbesondere den Kommunen und ihren Gemeinderäten am nötigen
Verantwortungsgefühl. So entstünden immer wieder Straßen, Gewerbegebiete und Siedlungen, die langfristig ökonomisch und
ökologisch keinen Sinn machten. Beifall erhielt Minister Hauk von den über hundert Anwesenden bei seiner Aussage, dass die
Kommunen ihre Finanzlöcher nicht länger mit Hilfe von Baulandverkauf stopfen dürfen. Man achte zu wenig auf die Folgekosten
bei erschlossenen, aber immer häufiger nicht voll genutzten Baugebieten, Kosten, welche man - auch angesichts der
demografischen Entwicklung - den zukünftigen Generationen aufbürde. Als eine von mehreren möglichen Steuerungswerkzeugen
erwähnte er die vom Nachhaltigkeitsbeirat empfohlenen Flächenausweisungszertifikate. Auch empfahl er dringend bessere
interkommunale Absprachen. Forderungen von Seiten anwesender Umweltschützer, den Kommunen und Landkreisen zur Vermeidung von
Flächenzerschneidung mehr Auflagen zu machen, erteilte er jedoch mit Hinweis auf die kommunale Selbstbestimmung eine deutliche
Absage. Ausdrücklich befürwortet wurde von ihm, den Rückbau vorhandener Straßen künftig zum festen Bestandteil von Planungen
von Straßenbauprojekten zu machen.
Reiner Ehret verwies in seiner Tagungsbilanz auf die Tatsache, dass weniger Landschaftszerschneidung für Mensch und Natur mehr Lebensqualität bedeute. Er sprach sich deswegen mit Nachdruck dafür aus, auch die unzähligen bereits planfestgestellten Straßenbauvorhaben, welche mangels Finanzmitteln in den Schubladen lagern, zumindest nach deren "Verfallsdatum" einer erneuten inhaltlichen Prüfung zu unterziehen. Einig war er sich mit Minister Hauk darin, dass künftig Fördermittel nur noch dort eingesetzt werden sollten, wo den Geboten der Nachhaltigkeit, also Vermeidung von zusätzlichem Flächenverbrauch und neuer Zerschneidung, Rechnung getragen wird.
Beim 6. Zukunftsforum Naturschutz, gemeinsam veranstaltet vom Landesnaturschutzverband und der Evangelischen Akademie Bad Boll, kam es zum Aufeinandertreffen des für den Naturschutz verantwortlichen Landwirtschaftministers Hauk mit fünf Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz. Professor Dr. Werner Konold von der Universität Freiburg verdeutlichte "Landschaft" als ein dynamisches Abbild menschlichen Wirkens und sprach sich dafür aus, bei Bewertung und Gestaltung mehr die Zeitabläufe zu beachten. Dr. Jochen Jäger von der ETH Zürich zeigte mit brandneuen Daten, dass der Prozess der Landschaftszerschneidung in den letzten Jahren wieder deutlich zunimmt. Marita Böttcher vom Bundesamt für Naturschutz in Leipzig stellte das neue "Netzwerk der Lebensraumkorridore" vor, das künftig als eine Art Gegenstück zum Bundesverkehrswegeplan dienen soll. Dr. Hans Pfister von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach bewies mit zahlreichen Bespielen aus der Schweiz, dass beim Verkehrsstraßenbau mit sinnvollen Maßnahmen auch ohne umfangreiche Finanzmittel vielen von der Zerschneidung bedrohten Arten geholfen werden kann. Wildbiologe Dr. Bertram Georgi von Vauna e.V. kritisierte in seinem Vortrag den häufigen Planungsfehler, dass sich Untersuchungen zu geplanten Straßen meist nur mit den unmittelbaren bandförmigen Eingriffen befassen, jedoch Fernwirkungen zum Beispiel auf Wildwanderwege außer Acht lassen.
Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.: 0711-24895520
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