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Stuttgart, den 2.12.05
Landesnaturschutzverband lehnt Parkhaus auf dem Feldberg ab
"Viel Platz für die Landung des Pleitegeiers!"
"Das geplante Parkhaus ist mit dem Landschaftsschutz nicht zu vereinbaren und wird sich wirtschaftlich niemals rechnen," behauptet heute der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg (LNV), Reiner Ehret. Er verwahrte sich gegen die Behauptung in der Presse von heute ("Das Land zahlt wohl keinen Euro dazu"), das Parkhaus werde vom Naturschutz gefordert. "Wir lehnen den Bau eines solchen Monstrums im Landschaftsschutzgebiet und am Rand des Naturschutzgebiets ab", stellte Ehret richtig. Die bisher einzige Zustimmung zum Projekt stamme wohl von einem Mitarbeiter des "Hauses der Natur" am Feldberg, der aber nicht für "den Naturschutz" reden könne.
Die Verantwortlichen in Feldberg hätten bisher den Eindruck zu erwecken versucht, der Bau des Parkhauses sei mit allen Behörden abgestimmt, monierte der LNV-Vorsitzende. Aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dr. Walter Witzel gehe hervor, dass es lediglich im Dezember 2004 einen "workshop" gegeben habe, bei dem das Parkhausprojekt den zu beteiligenden Behörden in "einer ersten Grobabstimmung" vorgestellt wurde. Eine amtliche Entscheidung auch unter Einbeziehung der naturschutzfachlichen Stellungnahmen der Naturschutzbehörden werde, so Ehret, erst in einiger Zeit zu erwarten sein, da der Bauantrag der Gemeinde Feldberg erst am 15. November 2005 eingereicht worden sei.
Ehret verwies in diesem Zusammenhang auf die Studie der Akademie für Technikfolgeabschätzung vom November 2001 "Ohne Auto zum Feldberg?" . Darin wird ein möglicher Ansatz in dem von der Gemeinde Feldberg favorisierten Parkdeck am Feldberger Hof gesehen, allerdings kleiner als bisher geplant. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten - so der Verkehrswissenschaftler der Akademie - sei es wenig sinnvoll, die Kapazität von aufwendigen Parkierungsanlagen mit hohen Investitionskosten am Spitzenbedarf zu orientieren. Dazu der LNV-Vorsitzende: "Ich prophezeie einem riesigen Parkhaus mit 1.300 Stellplätzen schon innerhalb der ersten fünf Betriebsjahre die Insolvenz!" Ehret dazu weiter: "Die Weigerung der Landesregierung, das Projekt mit öffentlichen Geldern zu fördern, muss für den ehrlich rechnenden Unternehmer eigentlich das "Aus" für das Projekt bedeuten, es sei denn, die Gemeinde gibt zu Lasten seiner Bürger Ausfallbürgschaften und übernimmt im Falle der Insolvenz des Privatbetreibers den Betrieb des Parkhauses auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko!"
Der LNV-Vorsitzende verwies auf eine weitere "Schwachstelle" in den Plänen der Gemeinde Feldberg: "In Spitzentagen fahren rund 10.000 Menschen auf den Feldberg, 80 % davon im Auto. Das bedeutet, dass nicht nur 1.300 Autos parken wollen, sondern rund 5.000!" Für die Fahrzeuge also, die im Parkhaus keinen Platz mehr finden, müssten nach wie vor Parkplätze im Freien vorgehalten werden. Bei der geplanten Sperrung der B 317-Stichstraße zum Feldberger Hof würden die Skifahrer, sobald das Parkhaus voll belegt ist, samt ihrer Ausrüstung zu Fuß von der B 317 zum Seebuckhang gehen müssen. Eine grundlegende Verbesserung der unerträglichen Parksituation an Winter-Spitzentagen wäre also völlig illusorisch und die B 317 als Parkfläche weiterhin enorm belastet.
Der LNV schlägt aus all diesen Gründen vor, die von der Akademie schon im Jahr 2001 vorgeschlagenen Pläne zur Verstärkung des ÖPNV vom Freiburger Hauptbahnhof zum Feldberg einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen, bevor man ein wirtschaftlich nicht tragfähiges Parkhaus in die unter Schutz stehende Landschaft am Feldberg stelle. Man unterstütze auch ausdrücklich die jüngsten Vorschläge der beiden Landtagsabgeordneten Dr. Witzel und Palmer, den Zugverkehr ab Freiburg an Winter-Spitzentagen zu verstärken (zwei Mal pro Stunde Freiburg - Bärental) und zusätzliche Busse auf einer Busspur vom Bahnhof Bärental zum Feldberger Hof fahren zu lassen.
"Wir müssen alles tun, um dem Skifahrer Lust zu machen, o h n e Auto zum Höchsten zu kommen", schloss Ehret. Dies würde zusätzlich auch eine Erhöhung der Attraktivität des Hochschwarzwaldes für diejenigen Touristen bedeuten, die im Hochschwarzwald nicht Ski fahren, sondern wandern und gemütlich einkehren wollten, und die jetzt von Lärm, Abgasen und zugestellten Flächen eher davon abgehalten würden.
Weitere Informationen bei der LNV-Geschäftsstelle:
info@lnv-bw.de , Tel.: 0711-24895520
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